Die Mecklenburgische Ausstattungsoffensive


In den letzten Kriegswochen wurde eine umfangreiche Sammlung von Kunstwerken und Antiquitäten aus allen Teilen Europas in ein Mecklenburgisches Schloß speditiert. Dort dienten die Gemälde Breughels des Älteren, Rembrandt van Rijns, Guido Renis und anderer offenbar als Ausstattungsmaterial für eine kurze Filmszene. Wer war dafür verantwortlich?


Professor Koch von der Filmhistorischen Staatssammlung München: "
Das halte ich für ausgemachten Quatsch."


Mit den fraglichen Gemälden, ausnahmslos hochkarätige Meisterwerke mit meist allegorischen Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert, könnte man ein feines kleines Museum bestücken.
Aber hat "Der Gesichtsinn" von Jan Breughel d.Ä. (1618 Öl auf Holz) im Februar, März oder April 1945 den Prado in Madrid verlassen?
Das Bild ist Teil eines Zyklus zum Thema der Fünf Sinne. In Form eines großangelegten allegorischen Tableaux wird das Sehen im Teamwork zweier Meister thematisiert. Rubens malte die zentrale Figur der Venus, die Breughel mit einer Menge größerer und kleinerer Gemäldezitate zum Thema umgab.


Professor Koch : "
Ich bin kein Kunsthistoriker da fragen Sie am besten die Pressestelle des Prado."


Daß keine Macht der Welt das 7 Meter lange Fresco "Aurora" von Guido Reni (1614 ) aus der Decke des Palazzo Rospigliosi-Pallavicini in Rom herausschneiden konnte, ist klar. Aber die handlichere Reproduktion eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1640 steht unübersehbar im Film-Salon.
Grausam werden dem wehrlosen Simon von den Philistern die Augen ausgestochen: die "Blendung Simons" von Rembrandt van Rijn (1636 , Öl auf Leinwand) wurde aus dem Frankfurter Städel, wo es heute wieder hängt, schon im Sommer 1944 ausgelagert.


Professor Koch : "
Hallo? Wie war nochmal Ihr Name? Hier ist die Filmhistorische Staatssammlung München. Professor Koch spricht."

Und "Christus und die Ehebrecherin" wurde 1944 für ein Vermögen von Göring erstanden. Nach Kriegsende gestand der bis dahin wenig bekannte Maler van Meegeren in einer spektakulären Selbstanklage die Fälschung dieses und anderer Gemälde des Niederländers Vermeer.
Die Möbel der kunstsinnigen Ausstattungsoffensive wurden ausnahmslos in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts von damals maßgeblichen Werkstätten gefertigt wie z.B.:
Ein Porzellanteller (Untertasse mit Becher, um 1820) aus der Manufaktur Schlaggenwald (Slavkov). Heute im Märkischen Museum Berlin.
Ein Damensekretär von J.Neuhaus (Wien 1820)
Ein ovaler Tisch mit acht Stühlen (Kirschbaum, Wien oder Böhmen/Kunstgewerbemuseum Prag)
Ein Sofa und die dazugehörende Sitzgruppe (Mahagoni, Ahorn und vergoldete Bronze / Schloß Kleinwetzdorf - Niederösterreich)
Ein Bücherschrank (halbverglast, auf vergoldeten Tatzenfüßen, mit vorgesetztem Flachgiebel , Kirschbaum, wahrscheinlich Johann Georg Hiltl 1815 München/ Kunst und Gewerbemuseum Hamburg).


Professor Koch : "
Ob ich die Möbel für echt halte? Ja, die Möbel halte ich für echt. Alles echt. Sehr echt. Danke für Ihren Anruf."