KLEINE GESCHICHTE DER FOTOGRAFIE DIE KRIEGSTROPHÄE PICATRIX   HOME

Zwei israelische Soldaten posieren hinter der Leiche eines Palästinensers, der in Baka a-Scharkija im Westjordanland
einen militärischenKontrollposten angegriffen haben soll
Foto:Reuters/Süddeutsche Zeitung 22.02.2000
 
Es ist anzunehmen, dass es die beiden Schützen sind, die sich hier hinter ihrem Opfer ablichten lassen. Auf das Opfer wird hier noch einmal geschossen. Vom zweiten Weltkrieg wird berichtet, dass nicht wenige Wehrmachtssoldaten Photos von ihren getöteten Opfern bei sich trugen.
"Welche Funktion haben solche Fotos für den der sie "schießt"? Es ist unwahrscheinlich, dass diese Soldaten in der Kriegssituation gegen den deutschen Staat Belastungsmaterial sammeln wollten. Die Photos erscheinen vielmehr wie der Beweis für eine Befehlsgewalt über den anderen und wie ein Beleg für die Macht, ihn auszulöschen. Dabei dienen sie offenbar auch der Vergewisserung, dass man selbst zu den "Überlebenden" gehört. Die Bilder mit den Erschießungen der anderen transportieren für den Soldaten offenbar die Hoffnung, dass der Tod dem anderen vorbehalten bleibt. Durch das am eigenen Leibe getragene Photo vom Grauen, das dem anderen widerfährt, soll der Tod vom Ich ferngehalten werden."
(Christina von Braun in "Versuch über den Schwindel-Religion, Schrift, Bild, Geschlecht" Pendo 2001)