HIDDEN IMAGES - FOTOS VON SABINE SCHNELL   PICATRIX HOME 

I. Eine Ästhetik des Verschwindens - vom begehrenden Blick auf Bilder

Fotografie wird historisch und medienbedingt immer mit Wirklichkeit und Evidenz in Verbindung gebracht. aber die vorgebliche Faktizität wirklichkeitsabbildender Fotos lässt unserer Imagination und Phantasie und unseren Assoziationen wenig Spielraum.
Erst wenn die Referenz von Fotografien zur sichtbaren Welt genutzt, diese aber gleichzeitig als manipu-
lierbare Fiktion erkannt wird, kann sie sich sinnvoll entfalten.
Das Angesiedeltsein in diesem Zwischenraum versetzt die Fotografie in die Lage, sich auf die Suche nach einem 'Anderen' zu begeben, nach einem 'Nicht benennbaren'.
das können bildliche Mutmassungen sein, Über etwas, was den meisten als Wirklichkeit entgegenkommt, sich aber als eine Übergangszone von subjektiv Geschehenem zu einem willkürlichen Memento erweist.
Fotografische Bilder werden so zu konstruktionen, zu der fiktiven Erstellung einer Spur des gewesenen, zu einer Fährtenlegung in einer Geschichte, die nie so war und immer wahrer wird, je öfter sie erzählt ( oder bebildert ) wird.
Fotografien eignen sich, eine ursprüngliche Erinnerung zu tilgen und eine andere Version zu belegen...
Denn der Wunsch des Sehens ist auf ein sichtbar Verborgenes gerichtet.
Er manifestiert sich in einem Begehren nach dem Begreifen, durch ein Greifen nach dem Unsichtbaren oder nur Schemenhaften.
Diesem oft abgewehrten, weil lustversprechenden Wunsch, die verbotenen Zonen zu sehen - und sei es auch nur in der Andeutung - entspricht bildnerisch das Halbdunkel, die Abstraktion, die Welt der Schatten und der Unschärfe.
Das 'Andere', das Unheimliche kann auftauchen.
Verschiedene Versionen von Deutung sind zugelassen. Doch sobald Licht auf den phantasmatischen Raum fällt, ist er entzaubert, nicht mehr tauglich fürs Begehren. Es geht um einen detektorische Blick und das Verschwindenlassen des Konkreten...
> In dieser Ästhetik des Verschwindens sind uns die Dinge umso präsenter, je mehr sie uns entgleiten..<
( paul virilio ).

 

II. Eine Ästhetik einer veränderbaren Form

Das digitale Zeitalter schiebt das evidente Wesen der Fotografie beiseite. Die Bildproduktion tritt ein in die irritierenden Möglichkeiten des Bezweifelbaren. Eine Ästhetik der veränderbaren Form eröffnet den Diskurs über eine mögliche Verortung der digital arbeitenden Fotografie in die Ästhetik der präfotografischen Zeichen, einer Ikonografie. die Ordnung der Zeichen hat sich von der Ordnung der Dinge gelöst. der Weg in die Abstraktion mittels Apparation und Konstruktion ist eröffnet.
Das digitale Foto ist damit nicht mehr an einen 'precisive moment' gebunden, sondern die Bildentstehung kann ein prozesshaftes Bauen sein, ein Rantasten an das Bild. Elemente der Collage und Montage, surreale Bildvorstellungen können in die Bildproduktion einbezogen werden. Der Computer funktioniert als Werkzeug - wie Palette, Pinsel und Farbtopf. Eine Annäherung an die Malerei findet statt. Ab jetzt ist der fotografische Akt nicht mehr mit dem Moment des Auslösens beendet.
Meine Fotografien haben solcheinen Ursprung. Sie fungieren zunächst als präzise ausgesuchtes Bildmaterial. Abgelöst von ihren analogen Referenten - aber mit Spuren aus dem analogen Entstehungsprozess - dienen sie mir als Grundierung und Versatzstücke in einer visuellen Suche nach dem Nur-fast-sichtbaren,
Dem Grenzgängerischen zwischen phantasmatischer und wahrnehmender Beobachtung und Erfahrung.
mittels Bewegungsunschärfen, Farbüberblendungen, Überzeichnungen, Langzeitbelichtungen und Fragmenten, (die den Blick auf das Ganze verwehren und doch Indizien bilden, wie es auch sein könnte,) Den Details einer Nebensache, dem mikroskopisch Kleinen im Grossen, den Bewegungen kann ein dubatives, teilweise offenes Bild entstehen. Bestenfalls blühen Wahrscheinlichkeiten ohne Wahrheitsanspruch und werfen Fragen nach dem Beobachter- und Empfindungsstandpunkt des Wahrnehmenden auf.
In der Serie >hidden images< war es die leicht ironische Frage nach einem "Dahinter". Nach etwas, das nach der Auflösung des Bildes zum Vorschein kommen müsste....

 
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